Mit Texten von
Jürgen Aigner, August Apel, Ingeborg Bachmann, Christoph Bartmann, Mei Bayerwoid, Georg Britting, Erwin Brunner, Charles Burney, Hermann Claudius, Bernhard v. Cotta, Gerold Dvorak, Joseph Eichendorff, Johann Wolfgang Goethe, Marita Haller, Heinrich Heine, Bohumil Hrabal, Anna Jelinek, Robert Kalivoda, Karel Klostermann, Rudolf Kubischtek, Gerhard Lehrberger, Klaus Peter Martinek, Walter Nigg, Adalbert Pongratz, Roland Pongratz, Georg Priehäuser, Ernst Rychnowsky, Wolfgang Scherzinger, Jürgen Serke, Arnold Stadler, Adalbert Stifter, Friedrich Torberg, Jirí Záloha u. a.


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Norbert Schreiber europa erlesen BÖHMERWALD Wieser Verlag Klagenfurt

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Leseabend über Adalbert Stifter mit dm Büchner-Preisträger Arnold Stadler in der Glashütte Theresienthal

Wandern mit Arnold Stadler im Böhmerwald

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Gerold Dvorak Karel Klostermann und Adalbert Stifter – Dichter der Wildnis?

Adalbert Stifter wurde am 23. Oktober 1805 in Oberplan, dem heutigen Horni Plana, geboren. Als er zwölf Jahre alt war, verlor er den Vater, der von einem umstürzenden Wagen erschlagen worden war. Der Großvater mütterlicherseits setzte gegen Adalberts Lehrer, welcher den Jungen für unbegabt hielt, durch, dass Adalbert Stifter 1819 als Schüler im Gymnasium der Benediktiner in Kremsmünster in Oberösterreich

aufgenommen wurde. Der Junge fiel durch sein Zeichentalent auf, schaffte ohne Probleme sämtliche Klassen und die Matura (Reifeprüfung). Anschließend ging er nach Wien, um Naturwissenschaften zu studieren und Professor zu werden. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Privatlehrer und Landschaftsmaler. Sozusagen zum Privatvergnügen verfasste er auch Erzählungen - für die Schublade. 1840 wurde die Novelle "Der Condor" von Stifters Freund, dem Verleger Gustav Heckenast, gegen den Willen des Autors veröffentlicht. In dieser Erzählung geht es nicht um den Böhmerwald, sondern einerseits um eine nächtliche Ballonfahrt zweier englischer Wissenschaftler und einer jungen Wienerin und andererseits um deren Liebe zu einem jungen Maler. "Der Condor" kam bei den Lesern sehr gut an. Dieser Erfolg ermutigte Stifter weiter zu schreiben und führte schließlich dazu, dass Stifter die Malerei fast ganz aufgab und statt dessen schrieb. Zunächst veröffentlichte er in verschiedenen Zeitschriften und gab später, wieder mit Heckenast, Erzählungen wie "Abdias", "Brigitta", "Bergkristall", "Der Hochwald" und "Der beschriebene Tännling" in Sammelbänden heraus. Deren Titel "Die Mappe meines Urgroßvaters", "Bunte Steine" und "Studien" sind allesamt noch bekannt. Im Jahre 1849 wurde Stifter, der bisher immer nur Privatlehrer gewesen war, zum Schulrat und Volksschulinspektor für Oberösterreich ernannt, woraufhin er von Wien nach Linz zog. Als Schulrat leistete er viel für den Ausbau des Naturkunde-Unterrichts an den Volksschulen und für das kulturelle Leben in Linz. Dafür wurde er zum kaiserlich-königlichen Hofrat ernannt. 1865 war seine Gesundheit derart angegriffen, dass er in den Ruhestand versetzt wurde - mit vollem Gehalt!! Eine Besserung seines Gesundheitszustandes, die er im böhmischen Bäderdreieck und am Fuße des Dreisessels im Bayerischen Wald, suchte, fand er immer nur vorübergehend. Am 28. Januar 1868 wurde er tot, an einem Schnitt mit dem Rasiermesser verblutet, im Badezimmer aufgefunden. Bis heute ist noch nicht einwandfrei geklärt, ob es Selbstmord oder ein fataler Unfall gewesen ist.

Der Böhmerwald liefert für Stifters Erzählungen den Ort der Handlung, die Kulisse, den äußeren Rahmen, den er mit Maleraugen sieht und möglichst wirklichkeitsgetreu wiedergeben will.

Der Wald war damals - oder schien zumindest so - noch völlig heil und in Ordnung.

Von Gefahren für den Wald, sei's von der Umwelt her oder von den Menschen ausgehend, war den Leuten zu Stifters Zeit noch nichts bewusst. Die handelnden Personen in Stifters Böhmerwaldgeschichten sind keine echten Böhmerwäldler, sondern Verkörperungen von Stifters sittlich, moralischen Lebensidealen, beinahe klassisch, immer nach Goethes Forderung lebend und handelnd: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut". Stifters Hauptverdienst im Sinne des heutigen Themas besteht darin, dass er den Böhmerwald literaturfähig gemacht hat.

Am 13. Februar 1848 - Stifter galt damals schon als erfolgreicher Erzähler

- wurde Carl, geschrieben mit C, Faustin Klostermann im oberösterreichischen Haag im Innviertel geboren. Sein Vater, der Dr.med. Josef Klostermann, war der jüngste Sohn des kühnischen Freirichters von Rehberg/Srni, die Mutter war die letzte Abele-Enkelin aus der berühmten Glasmeisterdynastie von Hurkenthal/Hürka. Der junge Carl Faustin Klostermann war also fast "reinrassiger" Böhmerwäldler, und er war noch keine ganzen zwei Jahre alt, als der Vater mit der Familie in die geliebte Heimat, in den Böhmerwald, zurückkehren konnte. Dort wuchs der Junge

- je nach den Wirkungsstätten des Vaters - mal im überwiegend deutschsprachigen, mal im tschechischsprachigen Böhmerwald auf. Sprachbegabt wie er war (als Erwachsener beherrschte er zwölf Fremdsprachen), erlernte er schon als Kind sowohl das Deutsche als auch das Tschechische. Als er zehn Jahre alt war, schickte ihn der Vater - nicht zuletzt zur Entlastung des Familienbudgets der inzwischen achtköpfig gewordenen Familie - in den Ferien nach Schlösselwald/Hrädky, das beinahe ausschließlich von Angehörigen der Klostermann-Verwandtschaft bewohnt war. An diesem Leben bei der bäuerlichen Verwandtschaft nahm der junge Klostermann wie eines der Bauernkinder teil und verliebte sich - so muss man es nennen - derart in den Böhmerwald und seine Bewohner, dass er fortan als Gymnasiast, als Student und als Professor für Französisch und Deutsch an der Deutschen Realschule in Pilsen stets den größten Teil seiner Ferien im zentralen Böhmerwald zwischen Bergreichenstein/Kasperske Hory und dem Pürstling am Lusen/Breznik verbrachte. Nach der Matura studierte er in Wien Medizin, als ältester Sohn sollte er nämlich später einmal die väterliche Praxis übernehmen. Nach zehn Semestern brach er aber das Studium ab, die Gründe dafür sind hier unerheblich, und wollte Journalist werden. Doch der Zeitungsverlag, für den er arbeitete, machte nach einem Jahr Pleite - nicht wegen Klostermann - und nach zwei Jahren als Hauslehrer bewarb er sich als Lehrer für Französisch in Pilsen, wurde angenommen und blieb dort bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1908. Als Lehrer war Klostermann sehr kümmerlich bezahlt, ein Bankangestellter am Schalter z. B. verdiente das Vierfache. Als er 1884 zufällig seinen ehemaligen Chef aus der Wiener Zeit als Redakteur der deutschsprachigen Prager Zeitung "Politik" traf und dieser Klostermann aufforderte, ihm ein paar Beiträge fürs Feuilleton zu liefern, fing Klostermann an, zur Aufbesserung seiner Finanzen für die "Politik" zu schreiben. Nach ein paar Einzeltexten begann er mit einer Serie von 33 Folgen unter dem Sammeltitel "Heiteres und Trauriges aus dem Böhmerwalde". Was er später im Vorwort zur ersten Auflage des Familienromans "Kam speji deti" ("Was aus den Kindern wird") als sein Anliegen formulierte, gilt auch schon für seine Feuilletons, daher zitiere ich die entscheidenden Sätze bereits hier: "Ich beschreibe das Herzstück des Böhmerwaldes, dessen Natur und den harten Kampf, den der Mensch bestehen muss, welchen das Schicksal in diese Region hinein verpflanzt hat. Und dieser Mensch ist seiner Abstammung nach Deutscher, an dieser Tatsache ändere weder ich noch jemand anderer etwas. Ich selbst, liebe jene Menschen, jene Leute, von denen ich abstamme, und schildere Dir, lieber Leser, diesen Menschen als Deinen Bruder." Klostermanns "Geschichten aus dem Böhmerwalde" kamen bei den Lesern der "Politik" sehr gut an, so dass er sich entschloss, die erste Hälfte der 33 Folgen als Buch herauszubringen, unter seinem richtigen Namen, mit dem Titel "Böhmerwaldskizzen". … Den Zeitungslesern hatten solche Geschichten gefallen, aber sie waren nicht nach dem Geschmack der Bücherleser. Diese maßen Klostermann nämlich an Stifter, und Klostermanns wahrheitsgetreu geschilderter Böhmerwald war kein heiliger Hain, in dem das "Sanfte Gesetz" waltete. Klostermanns Handlungsträger waren Menschen von Fleisch und Blut mit allen Schwächen und Fehlern, aber nicht Stifters Idealfiguren, und Klostermann ließ diese Menschen sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen war, während bei Stifter auch der letzte Holzknecht ein vorbildliches Deutsch spricht. ...

Klostermann blieb seiner Auffassung treu und trat stets unbeirrt für ein friedliches Zusammenleben von Tschechen und Deutschen ein. Weil diese Einstellung auch heute noch hochaktuell und - wie ich glaube - die einzig richtige ist, wenn wir als Nachbarn in einem Vereinten Europa miteinander auskommen wollen, will ich mit einem Text schließen, den ich als "Klostermanns Glaubensbekenntnis" bezeichnen möchte: " … Ich sehe nicht ein, warum man nur dann gut deutsch sein und sein deutsches Stammvolk lieben könnte, wenn man zugleich seinen slawischen Nachbarn hasst und verdächtigt, seinen Nachbarn, mit dem uns eine tausendjährige Geschichte, Bande des Blutes, gemeinsame Interessen, dieselben Begriffe von Recht und Ehre, kurz, alles verbindet, was den Begriff "Heimat" ausmacht.